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Immobilien-Finanzierung

Soll man Pensionskassengelder zurückzahlen?

Viele Immobilienkäufer beziehen Pensionskassengelder, um sich den Traum von Eigenheim zu verwirklichen. Ob sich eine Rückzahlung lohnt und worauf zu achten ist, erklärt Finanzfachmann Stefan Heitmann in seinem Gastbeitrag.

Wer ein Haus kaufen möchte, kann sich die 2. und 3. Säule auszahlen lassen. Bild: zvg

Das Kapital in der 2. Säule und in der 3. Säule ist eigentlich für die Altersvorsorge gedacht. Viele können sich allerdings nur eine Immobilie leisten, wenn sie das angesparte Geld vorbeziehen. Die 2. Säule wird auch betriebliche Vorsorge (BVG) genannt, sie wird via Arbeitgeber in die Pensionskasse (PK) einbezahlt. Die 3. Säule, auch als freiwillige Vorsorge bezeichnet, teilt sich in die Säule 3a und die Säule 3b. Sie muss selbsttätig gefüllt werden.
Während eine Rückzahlung in die freiwillige Vorsorge gesetzlich nicht vorgesehen ist, können Immobilienkäufer vorbezogene Gelder aus der betrieblichen Vorsorge zurückführen. Ob sich das lohnt, hängt zum Beispiel vom Vorsorgereglement der jeweiligen PK ab. Diese darf selbstständig die Einzahlungs- und Auszahlungsmodalitäten bestimmen. Wenn man etwa 150'000 Franken aus der PK entnimmt, dann fehlen im Alter dieser Betrag und die entsprechenden jährlichen Zinsen.

Je nach Kasse werden neben den Vorsorgeleistungen auch die Versicherungsleistungen reduziert. Die Invaliden- oder Todesfallrenten fallen unter Umstände tiefer aus. So entsteht schnell eine Lücke, die durch zusätzliche Kapitalersparnisse wieder geschlossen werden sollte.

Ob Betroffene liquide Mittel lieber selber am Kapitalmarkt oder über die Pensionskasse anlegen, hängt von den eigenen Präferenzen ab. Seit 2003 sinkt die Verzinsung in der zweiten Säule konstant. Sie beträgt derzeit gerade ein Prozent. Andere Kapitalanlagen werfen vielleicht mehr Rendite ab, können aber auch mit höheren Risiken behaftet sein.

Rückzahlung obligatorisch bei Handänderung

Solange das Haus selbst bewohnt und nicht verkauft wird, besteht keine Rückzahlungspflicht des Vorbezugs. Die finanzierende Bank kann diesbezüglich jedoch Auflagen machen. Bei Eigentümerwechsel hingegen müssen die vorbezogenen Gelder zurückbezahlt werden, unabhängig davon ob die Liegenschaft verkauft oder vererbt wird, es sei denn die Immobilie geht beim Tod des Eigentümers an eine Person, die vorsorgerechtlich begünstigt ist. Darunter fallen Ehepartner sowie minderjährige und unterstützungspflichtige Kinder bis 25 Jahre. Ob die PK weitere Begünstigte zulässt, regelt sie nach eigenem Ermessen. Eine freiwillige Rückzahlung des Vorbezugs ist jederzeit möglich.

Allerdings wird diese, anders als ein Einkauf, steuerlich nicht begünstigt. Wer Gelder zurückzahlen möchte, muss dies mit einem schriftlichen Gesuch tun und erhält die Steuern für den Vorbezug ohne Zinsen erstattet. Diese Rückvergütung muss drei Jahre vor dem frühestmöglichen Pensionsalter getätigt werden. Danach kann die Rente nur als regelmässig ausbezahlter Betrag und nicht als Kapital bezogen werden. Die zuständige Pensionskasse gibt Auskunft, in welchem Umfang Geld ein- und zurückbezahlt werden kann. Ebenso informiert sie über den frühestmöglichen Rentenzeitpunkt ist.

Übrigens: Bevor ein Einkauf in die BVG getätigt werden kann, muss der entnommene Anteil zuerst in die Kasse zurückgeführt werden.

Zum Autor

Stefan Heitmann ist CEO und Gründer von «MoneyPark», dem grössten Hypothekarvermittler der Schweiz.

«MoneyPark» berät seine Kunden nicht nur beim Kauf von Hypotheken, sondern auch bei Vorsorge, Pensionierungsplanung und Investments.

Pfänden anstatt sich die Pensionskasse auszahlen zu lassen

Alternativ zum Bezug der PK-Gelder können Immobilienkäufer die Vorsorgeguthaben verpfänden. Mit einer solchen Sicherheit sind Banken und Versicherungen oft bereit, eine Hypothek zu sprechen, die 80 Prozent des Immobilienwerts übersteigt. Eine Verpfändung ist interessant, weil sie keine Reduktion des Versicherungsschutzes zur Folge hat. Ausserdem wird das Alterskapital weiter verzinst. Auch steuerlich ist diese Variante attraktiver. Da keine Auszahlung erfolgt, zieht ein Pfand keine Steuern nach sich. Wegen der höheren Hypo-Zinskosten ist der Abzug vom steuerbaren Einkommen zudem höher.

Fazit

Ein Vorbezug schmälert nicht nur das Kapital in der zweiten Säule, sondern häufig auch die Versicherungsleistungen. Um eine Vorsorgelücke zu vermeiden, empfiehlt es sich in jedem Fall, die individuelle finanzielle Situation zu prüfen und eine langfristige Vorsorgelösung sorgfältig zu planen.

Gut zu wissen

Für Wohneigentum kann man das gesamte Vorsorgekapital verwenden. Ab einem Alter von 50 Jahren dürfen entweder die bis zum Zeitpunkt des 51. Geburtstags angesparten Mittel, oder aber die Hälfte des späteren Kapitals entnommen werden, je nachdem, welches höher ist. In der Regel ist ein Bezug alle fünf Jahre möglich. Der Mindestbezug beträgt 20 000 Franken. Zusätzlich müssen mindestens zehn Prozent des Erwerbspreises aus selbst erspartem, so genannten harten Kapital bestehen. Das Guthaben in der dritten Säule zählt dazu.