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Wohnen im Alter

Zu alt zum Energiesparen?– Generation 60+ schöpft Energiesparpotenzial kaum aus

Eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zeigt, warum gerade älteren Menschen Energiesparen schwerfällt und sie beim Wohnen mehr Energie verbrauchen als Jüngere.

Energiesparen im Alter ist nicht jedermanns Sache. (Bild: Shutterstock)

Das Thema Energiesparen geht alle an, ob alt, ob jung. Doch der Ehrgeiz, sparsam mit den Ressourcen zu haushalten, verteilt sich nicht gleichmässig auf alle Altersgruppen. Vor allem ältere Menschen zögern mit langfristigen Investitionen in die eigenen vier Wände. Für sie lohnt sich der Kostenaufwand scheinbar weniger, als für Jüngere.

Die Ursachen dafür hat der SNF im Rahmen eines nationalen Forschungsprogramms untersucht: «Wir wollten wissen, wie gross das Energiesparpotenzial tatsächlich ist und was ältere Menschen motiviert oder hindert, ihre Wohnsituation energetisch zu optimieren», so Dr. Heinz Rütter, Leiter des Forschungsprojektes «Energiesparpotenziale in Haushalten von älteren Menschen». Die Wohnsituation der «Babyboomer»-Generation sei dabei besonders interessant, weil mit zunehmendem Alter die Wohnfläche und damit der Energieverbrauch pro Person steige.

Strategien zum Energiesparen im Alter

Die Studie stützt sich auf Interviews mit Haus- und Wohnungseigentümern und Mietern sowie mit Investoren, Betreibern und Hausverwaltungen. Nahezu alle Eigentümer von Einfamilienhäusern sowie Mieter bezeichnen sich als unsicher in Bezug auf ihre künftige Wohn- und Lebenssituation. Die meisten tendieren dazu, sich möglichst viele Optionen offenzuhalten. In der Regel verfolgt die Generation 60+ drei grundlegende Energiesparstrategien: Einige unterziehen ihre Wohnung einer energetischen Sanierung. Andere setzten auf bauliche und soziale Verdichtung. Wieder andere ziehen in eine kleinere Wohnung.

Obwohl sich die Wohn- und Lebenssituationen naturgemäss unterscheiden, ähneln sich die Beweggründe: Ältere Menschen, die energetisch sanieren, möchten das Klima schützen und Energie sparen. Wer dagegen eine bauliche Verdichtung plant, legt den Fokus auf die effizientere Nutzung des Wohnraums. Denn Hausbesitzer, die eine Einliegerwohnung einbauen oder Räume untervermieten, erzielen einen Mehrwert, also ein zusätzliches Einkommen und erhöhen gleichzeitig den Wohnkomfort. Ein Teil der Befragten möchte aus sozialen Gründen ihren Wohnraum mit anderen Personen teilen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die eigenen Kinder bereits ausgezogen sind.

Rentiert das noch?

Genau wie die Motivation, gleichen sich auch die Argumente gegen die Energiesparstrategien: Die grosse Investition beziehungsweise die Unsicherheit, ob sich diese noch amortisiert, schreckt laut der Studie viele Befragte ab. Hauseigentümer stehen zudem vor der Finanzierungsfrage, denn nicht immer ist die Sanierung mit einer Aufstockung der Hypothek respektive einer neuen Hypothek möglich. Denn geringere Einkünfte im Alter, beispielsweise infolge der Pensionierung, erschweren die die Tragbarkeit. «Es ist paradox: Junge Leute erhalten noch keine Hypothek, um energieeffizient zu wohnen, ältere Menschen nicht mehr», stellt Thomas Ammann vom Hauseigentümerverband Schweiz fest.

«Für viele Menschen ist das Thema Wohnen im Alter ein Tabu», sagt Heinz Rütter. Dabei sei die persönliche Auseinandersetzung mit der künftigen Lebens- und Wohnsituation ein Schlüsselfaktor für energieeffizientes Wohnen im Alter. Für den Leiter des Forschungsprojektes «Energiesparpotenziale in Haushalten von älteren Menschen» besteht ein beachtliches Potenzial darin, ältere Menschen zu energiesparendem Wohnen zu motivieren. «Dazu braucht es innovative, volkswirtschaftlich vertretbare Anpassungen am bestehenden System, damit auch für Personen über 60 Jahre Hypotheken für energetische Sanierungen und bauliche Verdichtungen tragbar sind.» Dafür sieht er den Finanzsektor und die Politik in der Pflicht. Denkbar seien zusätzliche Anreize im Rahmen der Baugesetze, die etwa eine höhere Ausnutzung spezifisch bei Investitionen in energetische Erneuerungen gewähren.

Die Studie zeigt, dass für die Wahl und Umsetzung der individuell besten Strategie finanzielle Anreize allein nicht ausreichen. Stattdessen spielen wertorientierte Ansätze wie Umwelt-und Klimaschutz oder soziale Verantwortung eine entscheidende Rolle. Erste konkrete Aktivitäten, wie Beratungs- und Informationsangebote, werden derzeit zusammen mit dem HEV Schweiz in einem Umsetzungsprojekt des nationalen Forschungsprogrammes «Steuerung des Energieverbrauchs» realisiert. (esc)

Hier geht's zur Fallstudie einer energetischen Sanierung und baulichen Verdichtung: