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Photovoltaik

Die meisten Schweizer Photovoltaikanlagen sind an den Netzverbund, also das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Die Betreiber benötigen keinen Speicher, da sie den produzierten Stromüberschuss ins Netz einspeisen und umgekehrt bei einen Unterversorgung vom öffentlichen Netz profitieren können. Wenn sich ein Produzent entschliesst sich vom öffentlichen Netz abzukoppeln, dann braucht er einen Energiespeicher, der es ermöglicht den selbst produzierten Solarstrom auch dann zu nutzen, wenn die Sonne nicht scheint.

Für beide Fälle gelten ab 1. Januar 2018 neue Regeln, denn dann tritt das neue Energiegesetz in Kraft. Ab dann gibt es ein neues Einspeisevergütungssystem (EVS) und eine revidierte Einmalvergütung.

Einmalvergütung

Die sogenannte Einmalvergütung für Solarstromanlagen ist ein einmaliger Investitionsbeitrag. Sie steht für Sonnenenergieanlagen mit einer Leistung vom mindestens 2 Kilowatt (kW) bis höchstens 50 Megawatt (MW) zur Verfügung. Anlagen mit weniger als 100 kW Leistung können nur noch diese Einmalvergütung beantragen. Sie profitieren von der „Kleinen Einmalvergütung KLEIV“ und können den Beitrag erst nach Inbetriebnahme beantragen. Für grössere Anlagen gibt es die „Grosse Einmalvergütung GREIV“, hier muss der Antrag vor der Inbetriebnahme gestellt werden. KLEIV und GREIV decken einen Teilbetrag der Investitionskosten, aber höchstens 30 Prozent der Kosten einer Referenzanlage.  Die Auszahlung erfolgt in Reihenfolge des Eingangsdatums der Inbetriebnahmemeldung. Sie ist befristet bis 2030.

Einspeisevergütungssystem

Das Einspeisevergütungssystem (EVS) löst ab Januar 2018 die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ab. Dann werden nur noch neue Produktionsanlagen ins Fördersystem aufgenommen. Neu heisst in diesem Fall, Inbetriebnahme nach dem 1. Januar 2013. Erneuerte oder erweiterte Anlagen erhalten keine Unterstützung mehr. Anlagen, die bereits im System kostendeckende Einspeisevergütung sind und nicht als neu gelten, erhalten nur noch einen reduzierten Satz. Neue Zusagen für das EVS können bis Ende 2022 gemacht werden. Es ist nicht mehr kostendeckend, ausserdem wird die Vergütungsdauer von 20 auf 15 Jahre gekürzt.

Photovoltaikanlagen, die mehr als 100 kW Solarstrom produzieren, werden weiterhin ins EVS aufgenommen. Der Abbau der Warteliste erfolgt wie bisher über das Einreichdatum des Gesuchs. Gemäss Berechnungen des Bundesamtes für Energie (BFE) können noch 950 Anlagen über 100 kW, die vor dem 30. Juni 2012 zur kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) angemeldet wurden, ins Fördersystem aufgenommen werden. Für neu angemeldete Photovoltaikanlagen gibt es somit nur noch die Einmalvergütung.

Gespeist wird der Einspeisevergütungsfonds aus dem sogenannten Netzzuschlag, den alle Stromkonsumenten pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) als Abgabe bezahlen. Der Zuschlag liegt neu bei maximal 2,3 Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh). Das so geäufnete Geld fliesst in die alten Vergütungssysteme Mehrkostenfinanzierung und kostendeckende Einspeisevergütung sowie die neuen Einspeisevergütungen und Einmalvergütungen. Ausserdem werden Investitionsbeiträge, die Marktprämie für die Grosswasserkraft, Stromeffizienzausschreibungen, Gewässersanierungsmassnahmen sowie die Erkundungsbeiträge und Risikogarantien für Geothermieprojekte finanziert.

Betreiber von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung ab 100 kW können grundsätzlich zwischen dem EVS und der Einmalvergütung für grosse Anlagen (GREIV) wählen. Die Warteliste wird nach Anmeldedatum abgearbeitet. Im Gegensatz zur KLEIV ist es nicht erforderlich, die Anlage vor dem Erhalt einer Förderzusage zu realisieren.

Neu verwaltet das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) den Netzzuschlagfonds und nicht mehr die Stiftung der kostendeckenden Einspeisevergütung.

Solarstromanlagen, die bereits in der kostendeckenden Einspeisevergütung sind, oder einen positiven Bescheid erhalten haben, sind von den Änderungen nicht betroffen. Kraftwerke auf der Warteliste hingegen schon.

Direktvermarktung

Das EVS enthält neu die Pflicht zur Direktvermarktung. Diese gilt ab 1. Januar 2020 für Betreiber von grösseren Solarkraftwerken mit einer Leistung ab 500 Kilowatt (kW), die bereits eine KEV erhalten (Stand Januar 2018), sowie Betreiber von Anlagen ab 100 kW, die neu ins Fördersystem aufgenommen werden. Direktvermarktung bedeutet, dass grössere Photovoltaikproduzenten nicht mehr ihren Strom in das Netz des regionalen Elektrizitätswerkes einspeisen und für diesen eine gesetzlich festgelegte Vergütung erhalten, die über dem Marktpreis liegt. Neu verkaufen sie die selbst produzierte Energie auf dem freien Markt zum bestmöglichen Preis und erhalten zusätzlich eine Einspeiseprämie, die der fixen Einspeisevergütung abzüglich dem Referenz-Marktpreis entspricht. Die durchschnittlichen Photovoltaikpreise an der Strombörse innert eines Vierteljahres ergeben diesen Referenz-Marktpreis. Wenn der Produzent seinen Strom zu einem höheren Preis als eben diesem Referenz-Marktpreis einspeisen kann, erzielt er höhere Einnahmen als bei einer fixen Vergütung. Kann er die Energie nur zu einem niedrigeren Preis verkaufen, erhält er weniger Geld als bei der festen Einspeisevergütung.

Betreiber kleinerer Photovoltaikanlagen könnten ebenfalls in diese Eigenvermarktung wechseln, allerdings können sie dann nicht mehr ins EVS zurückkehren.

Abnahme und Vergütungspflicht der Netzbetreiber

Generell müssen die Elektrizitätswerke den dezentral eingespeisten Strom von privaten Photovoltaik- und anderen Stromproduzenten annehmen und ihn mindestens zu dem Preis vergüten, den der Netzbetreiber für die Energiebeschaffung am freien Markt zahlt. Den sogenannten ökologischen Mehrwert, den der Netzbetreiber durch die Annahme des erneuerbaren Stromes einkauft, erhält er nur, wenn er auch den Herkunftsnachweis (Nachweis darüber, wo und wie die Energie produziert wurde) übernimmt. Die regionalen Energieversorgungsunternehmen und die dezentralen Produzenten müssen die Anschlussbedingungen vertraglich festhalten. Vertragsinhalt sind die Anschlusskosten, die maximale Einspeiseleistung, die Vergütung und, ob der Solarenergiebetreiber sämtliche Energie ins Netz einspeist oder ob er einen Teil davon selber verbraucht.

Eigenverbrauch und Zusammenschluss

Photovoltaikbesitzer können den selbst produzierten Strom entweder ins Netz einspeisen, oder ihn selber verbrauchen. Sie können sich auch mit Nachbarn, die ebenfalls selber Strom produzieren, zu einer dezentralen Stromproduktionsanlage zusammenschliessen. Nebst dem Grundstück, auf dem die Produktionsanlage liegt, gelten auch umliegende Grundstücke als ein Produktionsort. Allerdings müssen diese aneinander angrenzen. Sie dürfen sich nicht über öffentlichen Grund (z.B. eine Strasse) erstrecken, oder über ein Privatgrundstück, dessen Grundeigentümer am Zusammenschluss nicht teilnimmt. Der selbst erzeugte Strom des Verbunds darf nicht durch das Verteilnetz des Netzbetreibers fliessen. Die durch den Zusammenschluss gegründete dezentrale Produktionsanlage wird nur über einen Messpunkt gemessen, das heisst, sie sind an den gleichen Netzanschlusspunkt angeschlossen.

Auf Zertifizierung achten

Man sollte nur Photovoltaikmodule kaufen, die nach international anerkannten Normen (europäische Norm EN 12975 / internationale Norm ISO 9806) geprüft und zertifiziert wurden. Denn dann wurden diese Module einer Qualitätssicherung unterzogen.

  • Zertifizierung für kristalline Module nach IEC 61215
  • Zertifizierung für Dünnschichtsolarzellen entsprechend IEC 61646 oder IEC 61730

Die Zertifikate werden vom TÜV, Solar Keymark, der Solar Rating & Certifikation Corporation (SRCC) oder dem «Swiss PV Label» ausgestellt. 

Geschichte der Solarzellen

Dass man Sonnenenergie in Strom umwandeln kann, entdeckte der französische Physiker Alexandre Becquerel bereits im Jahr 1839. Seine Experimente an den ersten Batterien zeigten, dass mehr Strom floss, wenn die der Sonnenstrahlung ausgesetzt waren. Bis man seine Erkenntnisse nutzen konnte, brauchte es allerdings noch weitere bahnbrechende Entdeckungen, unter anderem die Lichtquantenhypothese Albert Einsteins, für die er den Nobelpreis erhielt.

Seit damals hat sich viel verändert. Die beiden Sonnenenergietechnologien Photovoltaik und Solarthermie entwickeln sich rasant. Es gibt nicht nur die kristallinen Siliziumsolarzellen, sondern immer mehr Dünnschicht-Solarmodule. Der Wirkungsgrad erhöht sich stetig, es gibt immer bessere Energiespeicher und der Preis liegt bereits deutlich unter jenem, den Konsumenten für Strom bezahlen, sodass er sich mit konventionell erzeugtem Strom messen kann.

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