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Dachformen

Das Dach ist von allen Bauteilen am stärksten der Witterung und den Umwelteinflüssen ausgesetzt: Kälte, Hitze, Feuchtigkeit (Wasser, Schnee und Hagel), Erschütterungen, Feuer, Moos, Russ, Staub, Ungeziefer Wind usw. Die Ausführung aller Arbeiten am Dach ist daher mit grösster Sorgfalt durch anerkannte Fachfirmen durchzuführen. Die Lebenserwartung eines Daches hängt wesentlich vom Material der Dachhaut, von der handwerklichen Leistung, von Umwelteinflüssen ab sowie von den regelmässigen Unterhaltsarbeiten durch den Fachmann.

Flachdach oder Steildach?

Dachneigungen ergeben sich aus der Dachform, der Dachkonstruktion und den klimatischen Bedingungen. Im Flachdachbereich wird das Gefälle in Prozenten, bei den Steildächern in Graden angegeben.

  • Flachdach min. 1,5 Prozent bis 14,5 Prozent = 8 Grad
  • Mässig steiles Dach 8 Grad bis 40 Grad
  • Steildach ab 40 Grad

Flachdach

Flachdächer sind Dächer, die so gut wie keine Dachneigung aufweisen (mindestens 1,5 Prozent bis maximal 14,5 Prozent = 8 Grad). Sie sind typisch für das sogenannte Massivdach und vor allem bei Bungalows und Gewerbegebäuden beliebt. Das Flachdach hat kein hohes Eigengewicht und kann begehbar konstruiert werden. Regen und Schnee fliessen aber schlechter ab, weshalb es zu Feuchtigkeitsschäden kommen kann.

Ein Flachdach müssen aufgrund seiner geringen Neigung (bis 5 Grad) besonders sorgfältig gegen Niederschlagswasser und gegen vorübergehend stehendes Wasser abgedichtet werden. Die Abdichtung sollte widerstandsfähig sein gegen wechselnde Temperaturen und mechanische Beanspruchung (Setz- und Dehnbewegungen verschiedener Materialien untereinander). Sie sollte beständig gegen UV-Strahlen, Funkenflug sowie strahlende Wärme und begehbar sein für evtl. Wartungs- und Reparaturarbeiten. (Dachzubehör siehe Dach decken.)

Begehbares Flachdach

Das begehbare Flachdach erweitert die Wohnfläche ebenso wie die Dachterasse bei anderen Dachkonstruktionen. Durch eine fachmännische Begrünung kann das Dach nicht nur für den Bewohner zu einer kleinen Oase werden, sondern auch helfen, das Klima und den Wasserhaushalt in Städten zu verbessern. Pflanzen verringern die thermische Belastung der Dachdecke und setzen die Wärmeverluste herab. Ausserdem verhindern Grünflächen das rasche Abfliessen des Regenwassers durch die Kanalnetze. Bei einer Flachdachsanierung sollte an ein solches begehbares Flachdach gedacht werden.

Ein Flachdachaufbau mit neuartigen Dachelementen mit integrierten Be- und Entwässerungssystemen ermöglichen eine pflegeleichte Dachbegrünung als Extensiv- oder Intensivbegrünung. Es lassen sich auch Solarmodule auf begrünte Dächer montieren. Eine solche Kombination dient der Technik und der Natur. Die SIA-Norm 271 regelt die Dachbegrünung zusammen mit der Gründachrichtlinie des SFG. Steildachbegrünungen sind bis zu ca .40 Grad möglich.

Besonders zu beachten:

  • der Trittschallschutz zu darunterliegenden Räumen
  • die sichere Ableitung des Regenwassers
  • Eine gute Abdichtung
  • ausreichende Absturzsicherungen (Geländer)
  • die Oberflächenbeschaffenheit des Belags (Material, Gleitsicherheit, Wiederaufnahmemöglichkeit)
  • die zusätzliche Dachlast durch Begrünung und Möbel

Abdichtung Dach und Flachdachsanierung

Heute gibt es z.B. Dachabdichtungsbahnen als Bitumendichtungsbahnen zum Aufkleben (Selbstklebebahnen/Heissbitumen) oder zum Aufschweissen. Kunststoffabdichtungsbahnen aus flexiblen Polyolefinen (TPO), Polyvinylchlorid (PVC), Kautschuk (EPDM) sind ebenfalls gut geeignet. 

Früher belegte man die Dachhaut zusätzlich mit Kies, der das Dach vor UV-Strahlung schützen sollte. Heute verwendet man diese Methode immer weniger, da der Kies sehr schwer und teuer ist (braucht eine stabilere Dachkonstruktion) sowie das Auffinden von Leckagen erschwert bzw. die Bildung von Lecks sogar begünstigt, da sich in den Zwischenräumen Wasser ansammeln kann.

Die gängigen Abdichtungsbahnen schützen das Dach heute so gut gegen Wärme, Kälte und Feuchtigkeit, dass keine zusätzliche Kiesbelgegung mehr nötig ist.

Für Dachdeckungsmaterial und Dachdeckungsart sind bestimmte Dachneigungen vorgeschrieben und sollen, wenn möglich, nicht unter- bzw. überschritten werden, da dadurch zusätzliche Massnahmen notwendig würden.

Steildach

Das Steildach schützt durch Aufbau und seine Dichtigkeit vor den Einflüssen der Witterung (Regen, Schnee) und trägt bei entsprechender Wärmedämmung zum Energiesparen bei (etwa bei starkem Wind oder grosser Kälte). Denn Dachgeschossräume verlieren generell wesentlich mehr Wärme als die darunterliegenden Etagen, da ihre Aussenfläche wesentlich grösser ist; beim Flachdache potenziert sich dies nochmals. Im Sommer heizen sie sich schneller auf. Die Dachneigung hat Einfluss auf die Art der Dachdeckung, da bestimmte Systeme nur für einen definierten Neigungsbereich geeignet sind.

Das Steildach eignet sich auch für Gebiete, in denen es zu Schneefall kommt, da die Feuchtigkeit durch die Dachneigung nicht Gefahr läuft ins Dachinnere zu gelangen. Selbst beim Flachdach (Dachneigung kleiner als fünf Grad) sollte die Dachneigung mindestens drei Grad betragen, damit Regenwasser sicher ablaufen kann und sich keine Pfützen auf dem Dach bilden.

Sparrendach

Das Sparrendach benötigt im Gegensatz zum Pfettendach keine zusätzlichen innenliegenden Konstruktionsteile. Die Belastung wird von den Sparren allein getragen. Für die Nutzung des Dachraumes ist das steile Sparrendach am besten geeignet.

Pfettendach

Das Pfettendach kommt bei geneigten Dächern zum Einsatz. Bei ihm lagern die Dachsparren auf voneinander unabhängigen Pfetten (waagerechter Trägerbalken), die in Gebäudelängsrichtung angeordnet sind. Die Pfetten sind durch Pfosten und Streben unterstützt. Sie werden an der Traufe des Dachs, in der Mitte und im First angebracht (Fuss,- Mittel- und Firstpfetten).

Kaltdach

Ein Kaltdach, auch zweischaliges Dach genannt, ist eine belüftete Dachkonstruktion. Die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit (diffundierend durch Wände & Decke) kann (anders als beim Warmdach) durch die Belüftung nach draussen entweichen. 

Massivdach / Elementdach

Das Massivdach, auch Elementdach genannt, wird meistens aus Ziegeln, Beton oder Leichtbeton beziehungsweise Porenbeton gebaut. Es hat gute Schallschutzwerte (bis zu 56 dB), gute Wärmedämmeigenschaften im Sommer und Winter sowie ein gutes Raum- und Wohnklima.

Aufbau Massivdach

Die tragenden Konstruktionselemente eines Massivdaches sind Einhängedecken oder Elementdecken. Deshalb braucht es keinen Dachstuhl und eignet sich besonders für Häuser mit Flachdach. Es lässt sich aber auch ein Spezialdach (Walmdach, Krüppelwalmdach, Pultfach ...) gut konstruieren.

Die Verlegung der im Werk vorgefertigten Einzelelemente erfolgt entweder in der Schottenbauweise (Spannrichtung verläuft parallel zum First) oder in der Sparrenbauweise (Spannrichtung verläuft von der Traufe zum First). Dachfenster, Durchbrüche für Kamine oder Gauben sind mit einplanbar.

Dachaufbau (von unten nach oben)

Über der Deckenkonstruktion der darunterliegenden Etage mit Dampfsperre/Dampfbremse und Wärmedämmung befindet sich ein Zwischenraum, durch den die Luft zirkulieren und die aus dem Gebäude kondensierte Feuchtigkeit abtrocknen kann. Darauf folgt entweder zuerst die Dachdämmung (meist aus Klemmfilz oder Steinwolle) und dann die Dachsparren, oder umgekehrt. Beide Varianten sind möglich. Dann wird innenseitig eine Dampfsperre sowie eine Innenverkleidung angebracht. Auf der Aussenseite folgt die Verschalung durch Holzbretter, die mit einer diffusionsoffenen Folie bezogen werden, und schliesslich zuoberst die Dacheindeckung (meist durch Ziegel).

Spezialdach

Neben den herkömmlichen Dachkonstruktionen und Formen (Steildach, Flachdach, Satteldach) gibt es diverse Spezialformen: 

Walmdach und Krüppelwalmdach

Ein Walmdach hat auf allen Seiten geneigte Dachflächen (mind. aber auf zwei Seiten), den sogenannten Walm. Die am meisten verbreiteten Walmdächer sind die sogenannten Schopf- oder Krüppelwalmdächer. Bei Ihnen bleibt ein Restgiebel bestehen, den man auch als Schopf bezeichnet.

Mansarddach

Beim Mansarddach sind die Dachflächen parallel zur Traufe gebrochen. Diese Konstruktionsweise ist perfekt für Gauben und Mansarden im Dachgeschoss geeignet, da der obere flache Teil des Daches durch einen steilen Teil abgelöst wird.

Zeltdach

Es hat mindestens drei gegeneinander geneigte Dachflächen, die in einer Spitze zusammenlaufen.

Pultdach

Pultdächer haben nur eine einzige geneigte Dachfläche mit meist geringer Neigung. Sie werden häufig bei Gewerbegebäuden, Garagen o.Ä. aufgesetzt.

Tonnendach

Das Tonnendach hat die Form einer in der Hälfte aufgeschnittenen, liegenden Tonne. Es ist v.a. im Orient verbreitet, wurde in der Antike zur Verbindung von Mauerbögen benutzt und ist heute in vielen Industrie- und Bahnhofshallen sichtbar.

Energiedach

Energiedächer sind im Kommen. Bei ihnen sind Solarthermie- und/oder Photovoltaik direkt ins Dach integriert. Dieses Dach produziert durch die Nutzung von Sonnenenergie Wärme (in Verbindung mit einer Wärmepumpe) und/oder Strom. Das Energiedach ist nicht auf Sonneneinstrahlung angewiesen, sondern arbeitet auch bei schlechtem Wetter (nur an extrem kalten Tagen sind Zusatzheizquellen erforderlich). Es gewinnt bis zu 60 Prozent des Heizenergiebedarfs aus der Umgebungswärme. 

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